Besuch auf dem Autofriedhof

Koerber Studio Junge Regie I Foto Krafft Angerer

Ich bin Grischa, 26 Jahre alt, gelernte Physiker, mache ein Master in Performance Studies. Zu dem Stück bin ich leicht müde aber mit guter Laune gekommen. Ich saß in der Mitte von der dritten Reihe. 

Kennst Du das Gefühl, wenn Deine Welt auseinanderfällt, es fängt vielleicht klein an, aber es kommt zu dem Punkt, wo es kein Zurück mehr gibt? Dieses Phänomen, meiner Meinung nach, durfte ich heute bei dem Stück „Der Autofriedhof“ von Regie Selina Girschweiler verfolgen. 

Beim Einlass sieht man auf der Bühne einen Schrottplatz mit zwei Autotüren und ein Paar Reifen und Sesseln im Vordergrund und einem Auspuffberg im Hintergrund. Nach dem das Zuschauerlicht ausgeht werden wir in diese kleine surrealistische Welt eingeführt. 

In diese Welt hat jeder seine Aufgabe, die für uns vielleicht nicht so sinnvoll oder verständlich sind, für die Protagonist*innen aber den Sin ihres Lebens ausmachen.  

Zu Erst lernen wir alle Charaktere kenne. Imanu und Tope, die einander ständig verlieren und wiederfinden. Deren Aufgabe ist es die Musik zu spielen. Dila und Milos, die nur die Gäste ihres Hotels zufrieden stellen möchten, welches sich hinter zwei Autotüren befinden. Und Theoseda und Lashka – Sportler und sein Trainer, der ihn immer wieder neue Herausforderungen stellt. Zum ersten Mal lernen wir diese 3 kleine Gruppen kennen, welche ein unabhängiges Leben von einander zu führen scheinen. Auf den ersten Blick jedoch nur. Sie haben keine Gefühle, oder zumindest keine, die ich verstehen konnte. Sie machen Sachen aus anderen Gründen, die für mich nicht ausreichend wären. 

Die Protagonist*innen sind alterslos und sehr funktionell. Sie sind auf dieser Welt anscheinend nur dafür da, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Ihre Kleidung ist auch auf ihre Aufgaben abgestimmt, wer weiß, wie lange sie schon in diesem Kreis sich drehen. 

Das Ganze wird begleitet durch eine wundervolle Musik, welche durch die Aufnahme von dem Klang unterschiedlicher metallischer Gegenstände entstanden ist.  

Doch diese Harmonie wird in dem Moment unterbrochen, wo eine Person versucht das System zu verändern, den Alltag zu brechen. Dies führt dazu, dass die Gruppen aufeinandertreffen. Pause, sehr lange Pause. Jeder Versucht zu verstehen, wer sie alle sind, in welchem Bezug sie zueinander stehen. Das Ganze führt zu einer noch größeren Verwirrung und führt dazu, dass die Mass anfängt sich zu vereinen, um den Schuldigen in dieser Situation zu finden. Es bliebt nur eine Person, die weiterhin ihrn Aufgaben nachgeht – diese Person war für die Masse der Schuldige.  

Das dramatische Ende wird begleitet durch berührende Klaviertöne. Die Masse beschließt die schuldige Person zu vernichten, sie steigen den Auspuffberg herab und schmeißen ihn Runter. Der Schuldige ist zu Rechenschaft gezogen worden und was mit den Anderen passiert können wir nur raten. 

Die geschaffene surrealistische Welt, die von Gewalt erfühlt ist, regt durch ihre Absurdität zum Nachdenken an. Wer weiß, wie lange uns bleibt, bis wir auch in einer solchen Welt landen?.. 

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