„der Autofriedhof“ ohne Blues

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Foto: © Körber-Stiftung / Krafft Angerer

Bruder Jakob, Bruder Jakob, schläfst du noch? Schläfst du noch? Hörst du nicht die Glocken, hörst du nicht die Glocken?

Ich bin Theresa, nahezu 20 und studier(t)e Mathematik in Berlin. Mit dem Ende meinesSelbstversuches Regie zu führen wechselte ich den Wohnsitz und den Studiengang, zog zu einerRegiestudentin und studiere bald etwas nicht ganz so trockenes.Wie zu Beginn, ganz nach vorne – erste Reihe, sechster Stuhl von rechts.

Am Anfang des Festivals habe ich mir den Text aus dem Programmheft durchgelesen, aber mich nicht näher damit auseinandersetzten können. So ging ich mit diesen Informationen, Titel „der Autofriedhof“, Autor Fernando Arrabal und Regie Selina Girschweiler, in die Vorstellung.

Das Bühnenbild war wortwörtlich Schrott. Fokus für mich waren zwei Autotüren, welche auch direkt beleuchtet waren. Erster Auftritt Topé und Emanou suchen sich, treffen sich und „stimmen“ ihre Melodica. Stellen sich an den rechten Bühnenrand, in Position, und fangen an die Melodie von Bruder Jakob zu spielen. Zunächst in Dur. Sie verschwinden und es erscheint Milos und ruft Dila. Dila kommt mit einem Skateboard unter Bühnenelementen hervor und verursacht Chaos, welches Milos aufräumt. Sie beginnen die Örtlichkeit wie Hotelzimmer anzubieten, aber es fühlt sich eher ein wenig so an, als ob Milos den Schrottplatz für sein Bordell hält, denn schon kommt es dazu, dass sich Dila prostituiert. Man hört sie schreien. Liebe – Zärtlichkeit – Gefühle. Kein Platz. Das dritte „Pärchen“ erscheint. Ein Sportler namens Tiossido kommt mit seiner Trainerin Lasca. Ohne jegliche Zuneigung und Fürsorge rennt Lasca nur „Eins – Zwei – Eins“ schreiend hinterher. Und so beginnt die Teufelsspirale des immer wiederkehrenden Trottes…

Der Bruch ist das Aufeinandertreffen aller Rollen und es ist zum ersten Mal, für einen längeren Zeitraum, absolut still. Emanou ergreift die Chance vor Publikum zu spielen und die anderen sind so begeistert, dass sie anfangen mitzusummen. Es kommt zu einer Gruppenbildung, einem gesuchten Opfer und Mord.

Das Bühnenbild ist so gestaltet, dass es wahnsinnig voll erscheint und trotzdem können sich alle Schauspieler irgendwie immer wieder verstecken, mir noch unerklärlich. Es gibt aber Platz für alle choreografischen Elemente.

Es heißt „Musikalische und theatrale Elemente verweben sich…“ dem kann ich nur zustimmen. Schrottplatzgeräusche sind wahr zunehmen und ein Wandel der beiden Musiker von Dur, Moll und pentatonisch gespielten Bruder Jakob, nur eben ohne Blues. Ebenso hieß es im Publikumsgespräch, dass die Dramaturgie sich über die Musik erklärt und hier ecke ich an. Meiner Meinung nach kommt die Dramaturgie eher über die choreografische Inszenierung des Schauspiels und wird mit der Musik unterstützt.

Auch bei den Schauspielern kam die Distanz zur Menschlichkeit rüber. Sie haben sich kaum angeguckt und wenn Blickkontakte entstanden, sich denen schnell widersetzt. Und nicht einmal bei denen die „liebe“ gefunden habe, entstand ein wir Gefühl. Es blieb beim Ich.

Kostüm und Maske waren detailliert und mit viel liebe ausgearbeitet. Besonders aufgefallen sind mir die weißen Wimpern und Augenbrauen – Sie machten den Menschen so unmenschlich. Für Mara Zechendorff und Lara Tuerkcue symbolisierten diese eine Gleichgültigkeit. Lediglich funktionieren. Wie auch die Kostüme, ausgesucht nach deren Funktion. Insbesondere die Frisur der Dila ermöglicht es einem viel zu interpretieren. Fünf Flechtzöpfe, aus denen sich zwei Dutte bilden, weshalb der fünfte aufgeteilt worden ist.

Was ich aus dem Stück ziehen soll weiß ich noch nicht. Es war schön anzusehen, aber gab mir keinen Raum weiter darüber nachzudenken, da für mich zu sehr Gewalt ein Thema war. Zuhälterei, Prostitution, Vergewaltigung und Mord.

Eine Frage, die ich vergessen habe zu stellen – Wer ist Nawinski? Dieser Name stand in Gelb auf einem der Autoreifen.

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