down where the trees grow together

Foto: Krafft Angerer I Korber Studio

Mit Zettel und Stift bewaffnet sitze ich im großen Saal der Gaußstraße des Thaliatheaters. DJ OneMoe legt schon mal vor, während das Publikum seine Sitze sucht. Eine Mischung aus Popkonzert und Performance. So steht es im Programmheft. Ich nehme mir vor, aus jedem Song ein paar Zeilen aufzuschreiben. Damit ich sie danach googlen kann. Denn ich kenne nie was. „down where the trees grow together“ ist eine Liedzeile von Arthur Russell. Sagt mir nix. Mein erstes Album war eine CD von „Slavko Avsenik und den Original Oberkrainern.“ Die Superhits der Volksmusik. Hat mir meine Oma bei Schlecker an der Kasse gekauft. Super. Aber lange her. Die Oberkraine ist sehr weit weg von der Gaußstraße und Schlecker gibt es nicht mehr.

Mit Zettel und Stift bewaffnet sitze ich im großen Saal der Gaußstraße des Thaliatheaters. DJ OneMoe legt schon mal vor, während das Publikum seine Sitze sucht. Eine Mischung aus Popkonzert und Performance. So steht es im Programmheft. Ich nehme mir vor, aus jedem Song ein paar Zeilen aufzuschreiben. Damit ich sie danach googlen kann. Denn ich kenne nie was. „down where the trees grow together“ ist eine Liedzeile von Arthur Russell. Sagt mir nix. Mein erstes Album war eine CD von „Slavko Avsenik und den Original Oberkrainern.“ Die Superhits der Volksmusik. Hat mir meine Oma bei Schlecker an der Kasse gekauft. Super. Aber lange her. Die Oberkraine ist sehr weit weg von der Gaußstraße und Schlecker gibt es nicht mehr.

Los geht’s, Gitarre erklingt, krankenhausgrünes Licht auf der Bühne: „I’m holding fragile glass“, dann notiere ich „you told me, you were mine, don’t do the right thing, because it’s boring, I got a motherfucker living with me, energy really sucks my feels out of me, loudness made of speed, I got some guys fuck me a little bit too much, Baby I miss you, when you are not home, I want to kiss you, you better stop ‘cause I might fall into your eyes, I love love love a soul man, my little glass, Is this ever going to stop, am I ready for the ending.” Gut gelaunt setze ich mich vor meinen PC und denke mir „gut gemacht“. Auf einem Konzert im Theater mitzuschreiben ist zwar ungefähr so cool, wie auf einem Konzert mitzuschreiben – aber was tut man nicht alles für einen referenzgespickten Blogbeitrag. Hier das Ergebnis: Kristin Gerwien hat alle Songs selber geschrieben. Und auch selbst performt. Ich zähle dreizehn Lieder.

DJ OneMoe stört die Harmonien immer wieder. Die Stimmung dadruch den ganzen Abend bedrohlich melodisch. Seine Störgeräusche wie Rauschen oder Rasseln kommen immer wieder aus einer anderen Ecke, bleiben unverortbar. Das schummrige Licht tut sein Übriges. Eine Doppelgängerin der Sängerin schleicht durch das Konzertgeschehen. Wie ein Fan, der das große Idol in allem nachahmt. Und dieses bedroht, wie wenn es sagen würde: Du gehörst dir nicht alleine.

Die Bühne aus Versatzstücken: ein Flocati unter anderem, ein Baum aus Bauschaum und eine Mikrowelle. Ich sehe ein Wohnzimmer, ein Wald, ein Club, eine Küche. Flashback in so viele Erinnerungen: an Songs, die man im Radio mitgesummt hat vor dem Englischkönnen, ans Lagerfeuerliederbuch, an Clubs, in die man nicht reinkam, ans Unterderduschegrölen mit so viel weniger Stimme als Kristin Gerwien. Also schön und gruselig. Gothic wär das dann, oder?

Absurd ist das Ganze dann doch auch. Da sind die bellende Barkeeperin oder die shottrinkende Schlagzeugerin – und vor allem die seltsame Situation in diesem Konzert still sitzen zu müssen und irgendwie Kunst zu suchen, statt mitzuwippen und einfach auf sich wirken zu lassen. In Gießen konnte man wohl am Ende des Stückes noch mit auf die Bühne! Das hätt‘ ich ja noch toll gefunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.