„Underground Empire“ Zeit für eine Befragung

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© Körber-Stiftung / Krafft Angerer

AK, 56, Theaterpädagogin, Vorvorletze Reihe , rechts außen

Ich komme ziemlich spät, auf den letzten Drücker von einer berührenden Veranstaltung mit jungen Geflüchteten. Ich bin zwar leicht abgehetzt, aber in guter Stimmung und freudiger Erwartung, zumal es mein erster Besuch beim Körber Studio Junge Regie ist .
Über das Stück weiß ich nichts außer dem Titel „Underground Empire“ und dass aus der Züricher Hochschule der Künste kommt und von Sarah Oswald und Mathias Hannus ist, wobei Letzterer auch der Regisseur ist.

Der Aufbau auf der Bühne besteht aus einem geschlossenen Raum, auf den vorne die Filme projiziert werden und einer Art Einlassschleuse im Hintergrund, vorne links steht ein Podest-Tisch mit 8 Stühlen, alles einfach und roh, provisorisch wirkend.

Das Stück beginnt mit einem Film in dem ein Queer-Clown durch Straßen irrt, in ein Gebäude hereinfindet, durch das Gebäude (die Züricher Hochschule) irrt und schließlich auf der Bühne live landet und sich an den Tisch setzt. Auf der Bühne hantiert ein Hase, mit Scheinwerfern. Nun entsteh im Publikum Geflüster, laut, aber nicht zu laut. Kurz nachdem mir klar wird, dass es Teil der Inszenierung ist, steht eine junge Frau auf, betritt die Bühne , zieht ein Kostümteil an und setzt sich ebenfalls an den Tisch. Eine Unterhaltung beginnt, in der sich der/die Queer-Clown als Nachbarin vorstellt. Der Hase schenkt auf Befehl Kaffee aus der Thermoskanne mit Druckmechanismus ein. Lacher im Publikum.
Später kommt eine zweite junge Frau dazu. Aus den Dialogen wird deutlich, dass es sich um zwei konkurrierende Schauspielerinnen handelt. In Hollywood! Ein Monolog der zweiten Frau beginnt, sie legt dabei acht Orangen auf den Tisch die sie auf unterschiedlich Weise, als Unterstützung zur Darstellung ihrer Gefühle, maltretiert. Szenenwechsel: ein junger Mann tritt auf, offensichtlich ein Schauspieler, die junge Frau von vorher und ein Regisseur, „Hannus“. Eine Szene wird geprobt. Sie spielt „große Gefühle“, er kann mit seinen Händen nicht umgehen kann. Klischees werden zitiert.
Später springt es wieder zu Filmaufnahmen der beiden Frauen vor einer Spiegelwand in einer Garderobe.
Ich verstehe, dass die Szenerie im Filmgeschäft in Hollywood angesiedelt sein soll, dass ein Film entsteht – ein Remake von David Lynch… Ob der Regisseur ein Gott ist, wird gefragt.
Die Handlung springt assoziativ, Filmeinspielungen und Theaterszenen wechseln sich ab.
Ich versuche nicht einen Handlungsstrang zu suchen, sondern einfach das Geschehen auf der Bühne auf mich wirken zu lassen. Nun machen sich die Anstrengungen des Tages bei mir bemerkbar. Das Geschehen auf der Bühne vermag mich einfach nicht zu fesseln oder wenigstens mein Interesse zu wecken, ich kämpfe gegen die Müdigkeit das Geschehen auf der Bühne rauscht an mir vorbei.

Später spielt im Film eine Band und der Darsteller in Frauenkleidern singt. Ich habe den Eindruck er singt live, jedoch nun fällt er mitten im Song um – der Song läuft aber weiter… Die Band die auf der Leinwand, im Film dazu zu spielen scheint, stoppt, geht auf das Kameraauge zu und sieht hinein, so als wolle sie sich nach dem Verbleib und Befinden des Sängers erkundigen. Gibt auf und setzt wieder ein Musik zu machen.
Das war mein Lieblingseffekt in dieser Inszenierung. Hier hat sich erfüllt, was die Inszenierung wohl versucht hat, ein Spiel, einen Dialog zwischen Bühne und Leinwand, zwischen Fiktion und Realität, zwischen live und vorproduziert, zwischen Theater und Film. An den wenigen Stellen an denen das spielerisch ineinandergreift, finde ich es gelungen.
Das Spiel und Zitieren von Lynch und seiner Ästhetik überzeugt mich nicht. Vorallem die Zitate der Klischees und Rollenzuschreibungen langweilt mich, z.B. wenn der Regisseur, der seine Darstellerin attraktiv findet, eine emotionale Szene unterbricht, um ihr Gesicht von Haaren zu befreien, damit es sichtbar ist. Oder das Klischee vom Schauspieler, der nicht mit seinen Händen umzugehen weiß, von der jungen Schauspielerin , die so eifrig dem Regisseur gefallen will und viele andere mehr.
Worum geht es hier wirklich? Was will erzählt werden? Mein Begleiter beschreibt es als Diskurs- Stück. Um welchen Diskurs geht es? Ob es möglich ist, ein Remake von einem genialen Film zu machen? Ob Regisseure Götter sind, sein wollen? Wie Schauspielende was spielen? Was ist daran für wen relevant? Für mich sind das Fragen, die sich Regie- Studierende und Schauspiel-Studierende sicherlich stellen müssen, okay. Mir fehlt jedoch ein Aufblitzen von ehrlicher Fragehaltung, es fehlt mir an Poesie. Ich entdecke keinen Moment, in dem nicht alles ironisiert wird und ein echtes Gefühl aufblitzt. Warum dann dieser große Aufwand ?

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